Zwei äthiopische Frauen sitzen an einer Quellfassung und füllen frisches, sauberes Wasser in ihre Kanister.

Neue Quellfassung erschlossen, Friseursalon eröffnet

Fortschritte in Albuko

In Mermegecha in der Projektregion Albuko sorgt eine neue Quellfassung für sauberes Wasser, das sowohl die Menschen als auch die Tiere versorgt. Menschen für Menschen fördert zudem die Gründung von Kooperativen und Kleinstunternehmen, um Einkommensquellen zu schaffen. So erwarben fünf Frauen Fähigkeiten im Friseurhandwerk, welche sie nun im ersten Friseursalon in der Hauptstadt von Albuko vertiefen können.

Neue Quellfassung für Mermegecha in Albuko

Bei der 2024 errichteten Quellfassung in Mermergecha in der Projektregion Albuko angekommen, trifft man auf ein gutes Dutzend Frauen, die ihre großen, gelben Wasserkanister befüllen. Sie berichten, wie viel beschwerlicher das Wasserholen vor dem Bau der Quellfassung war. Heute ist der Weg immer noch nicht einfach, doch im Vergleich zu früher eine enorme Erleichterung. „Früher lag die Quelle viel weiter oben am Berg. Wir mussten hinaufklettern, um Wasser zu holen, während wir unsere Tiere ins Tal führten, damit sie dort trinken konnten“, erzählt Aminat. Ihre Nachbarin Alem ergänzt: „Es kam oft vor, dass die Tiere auf dem Weg ins Tal stürzten und sich die Beine brachen. Es war wirklich gefährlich. Außerdem war das Wasser mit Egeln verseucht.“

Sauberes Wasser für Mensch und Tier

Für Mensch und Tier hat sich nun Vieles zum Besseren verändert: Aus der Quellfassung sprudelt sauberes, gesundes Wasser, dass neben der Entnahmestelle für über 300 Menschen auch einen Waschplatz und eine Viehtränke speist.
Die Äthiopierin Aminat trägt einen gelben Wasserkanister auf dem Rücken.

 

„Jetzt haben wir endlich sauberes Wasser. Für uns selbst, den Haushalt und unsere Tiere“, freut sich Aminat über die weitreichende Veränderung. Dass diese Bestand hat, dafür ist unter anderem auch Aminat selbst verantwortlich. Die 40-Jährige ist Mitglied des 7-köpfigen Wasserkomitees im Dorf, das sich um Pflege und Instandhaltung der Wasserstelle kümmert. 

„Alle Mitglieder des Wasserkomitees haben erfolgreich am Training zur Pflege der Quellfassung teilgenommen. Unsere Aufgabe ist es, sicherzustellen, dass die Wasserstelle in einem guten Zustand bleibt. Dafür zahlt jede Familie, die die Wasserstelle nutzt, einen monatlichen Beitrag von 10 Birr. Diese Beiträge sammeln wir und legen sie auf der Bank an, um für Instandhaltung und allfällige Reparaturen gerüstet zu sein.“

Mit vollem Einsatz

Die Quellfassung von Mermergecha ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie die nachhaltige Arbeit von Menschen für Menschen umgesetzt wird. Zu Beginn wurde genau untersucht, wie groß der Wasserbedarf in den umliegenden Siedlungen ist und geprüft, ob ein Bau überhaupt möglich ist – ein Schritt, der in diesem Fall besonders herausfordernd war.

In der Regel muss zuerst ein Zufahrtsweg geschaffen werden, um Baumaterial und Werkzeuge zur Baustelle bringen zu können. Da dies in dem steilen Gelände nicht möglich war, war die Bevölkerung gefordert: Die Menschen trugen sämtliches Baumaterial eigenhändig zur Baustelle. Damit die lang ersehnte und mit so viel Einsatz geschaffene Wasserstelle die Familien möglichst lange mit sauberem Wasser versorgt, ist das bereits erwähnte Wasserkomitee gefragt. Durch die direkte Übergabe in die Verantwortung der Bevölkerung, wird sichergestellt, dass keine langfristigen Abhängigkeiten entstehen und auch nach Abschluss der Projektarbeit die Maßnahmen weiter bestehen und auf ihnen aufgebaut werden kann.
Ein äthiopisches Mädchen trinkt frisches, sauberes Wasser aus einer Quellfassung.

Spende für sauberes Wasser

Mit nur 10 Euro ermöglichst du einem Menschen langfristig den Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Äthiopiens Jugend braucht Zukunft

Der 23-jährige Andar spricht ein Problem an, das ganz Äthiopien betrifft: „Wir brauchen dringend Arbeitsmöglichkeiten für junge Leute, zum Beispiel in der Metall- oder Holzverarbeitung. Viele Jugendliche ziehen in die Städte oder sogar ins Ausland. Ich selbst habe die 10. Klasse abgeschlossen, lebe aber noch bei meinen Eltern. Es wäre wichtig, Trainings in diesen Bereichen anzubieten, damit wir vor Ort berufliche Perspektiven haben.“

Es ist ein wichtiger Punkt, den Andar anspricht. Denn die Hälfte der Bevölkerung ist jünger als 20 Jahre – für die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung ist die Eröffnung von Zukunftsperspektiven für diese Generation von besonderer Bedeutung.
Ein junger Mann namens Andar nimmt an einem Gemeindetreffen teil.
Andar beim regelmäßigen Gemeindetreffen. Er wünscht sich wie viele seiner Generation die Chance, in seiner Heimat Arbeit zu finden und damit selbstständig zu werden.
Die Grundlage dafür ist Bildung, aber in erster Linie braucht es Alternativen zur Landwirtschaft, denn das verfügbare Land wird immer knapper. Menschen für Menschen unterstützt deshalb mittellose und vor allem junge Frauen und Männer bei der Gründung von Kooperativen und Kleinstunternehmen.

Im Jahr 2024 wurde in Albuko eine Fischerei-Kooperative gegründet und fünf Frauen absolvierten eine Schulung im Friseurhandwerk. Inzwischen haben sie ihren eigenen Salon in Salmene eröffnet, der Hauptstadt von Albuko. „Das Training hat insgesamt 25 Tage gedauert.“, erzählt Gedaminesh, während sie einer jungen Kundin Lockenwickler eindreht. „Keine von uns hatte zuvor eine Arbeit, obwohl wir gut ausgebildet sind. Eine Kollegin hat sogar ein Diplom in Buchhaltung.“

Erster Friseursalon der Stadt

Diese Kenntnisse werden für die fünfköpfige Unternehmerinnengruppe von großer Bedeutung sein. Fünf Jahre lang stellt die örtliche Behörde ihnen einen kleinen Raum für ihren Salon zur Verfügung, danach müssen sie auf eigenen Beinen stehen. „In dieser Zeit möchten wir unser Geschäft so weit ausbauen, dass wir unseren eigenen Salon eröffnen können“, erklärt Gedaminesh zuversichtlich. Die Chancen für den Erfolg stehen gut, dank des Engagements und der neu erworbenen Fähigkeiten der Frauen. Zudem ist ihr Salon der erste in der Stadt – wer bisher eine Friseurin brauchte, musste in die etwa eine Stunde entfernte Stadt Dessie reisen.

Allein auf kargem Feld

Die Herausforderung, als junger Mensch in der Region Arbeit zu finden, kennt auch Ahmed nur zu gut. „Bevor ich Kinder hatte, war ich viel unterwegs, um Arbeit zu finden. Zum Beispiel zur Kaffeeernte in Jimma oder zur Baumwollernte in Dubti. Hier in der Region ist kaum Arbeit zu finden. Manchmal habe ich Glück und kann als Tagelöhner etwas verdienen.“, berichtet Ahmed von den Herausforderungen, seine Kinder ausreichend zu versorgen. Eine größere Familie – das wichtigste Sicherheitsnetz für die Menschen in Äthiopien – gibt es nicht mehr: „Unser beider Eltern sind bereits verstorben. Es gibt nur noch meine Frau und mich, die sich um unsere Kinder kümmern können.“
Ahmed mit Entwicklungsberater Hussein in seinem Garten, um über die Ernte zu sprechen.
Ahmed mit Entwicklungsberater Hussein, der die junge Familie regelmäßig besucht und ihnen mit Ratschlägen zur Seite steht.
Dabei stehen Ahmed und seine Frau Aminat wie viele ihrer Nachbar:innen vor großen Herausforderungen: „Wir spüren die Folgen des Klimawandels stark – das Getreide wird durch den unzuverlässigen Regen geschädigt und die Ernten fallen viel zu gering aus. Sie reichen nicht, um meine Familie zu ernähren“, beklagt Ahmed die schier aussichtslose Situation. Doch die Maßnahmen von Menschen für Menschen schenken ihm Hoffnung: „Ich hoffe, bald mit dem Gemüseanbau beginnen zu können. Ich habe immerhin die Möglichkeit, mein Land zu bewässern und diese Chance möchte ich unbedingt nutzen.“ Es sind kleine Schritte, die Ahmed und seine Familie auf den Weg in eine bessere Zukunft führen.

Kleine Schritte, große Träume

Auch Aminat hat klare Vorstellungen, wie sie ihre Familie unterstützen kann: „Ich möchte so gerne ein paar Hühner aufziehen.“, erzählt die 30-Jährige, die gerade ihr drittes Kind erwartet. „Ich hätte auch gerne einen holzsparenden Ofen. Ich habe versucht, selbst einen zu bauen, aber der funktioniert nicht so gut und ich bin noch immer stark dem Rauch und dem offenen Feuer ausgesetzt.“
Trotz aller Herausforderungen bleibt Aminat optimistisch. Ihre kleinen Wünsche sind das Fundament für ihre großen Träume, die sie voller Zuversicht verfolgt. „Ich wünsche mir für meine Kinder alles auf der Welt.“, sagt Aminat mit einem warmen Lächeln. „Dass sie gesund bleiben, lernen können und ein besseres Leben haben als wir.“ Ihre Worte zeigen, wie tief die Hoffnung verwurzelt ist, dass auch aus kleinen Veränderungen eine große Zukunft wachsen kann – für ihre Kinder, ihre Familie und das gesamte Dorf.

Wie wir Familien in Albuko dabei unterstützen, ihre Lebenssituation zu verbessern, kannst du unter Projekte nachlesen.
Eine äthiopische Frau in einem Kiosk, welche gerade ein Produkt wiegt.

Deine Spende für eine bessere Zukunft

Mit 31 Euro ermöglichst du ein fünftägiges Training für Jungunternehmer:innen und schaffst damit die Grundlage für eine erfolgreiche Geschäftsgründung.

„Jour Fixe“ zur Entwicklung von Albuko

Projektleiter Berhanu Bedassa hebt immer wieder hervor, dass das Engagement der Bevölkerung der Schlüssel für nachhaltige Veränderung ist – besonders im direkten Austausch mit den Menschen vor Ort. Regelmäßig trifft er sich mit den Frauen und Männern aus den Dörfern, um zu erfahren, welche Fortschritte erzielt werden konnten und wo die drängendsten Anliegen sind. So auch Mitte Dezember im Dorf Ashewamaw.
Ein äthiopischer Mann namens Kabede bei einem Gemeindetreffen.

 

„Ich möchte mich bei Menschen für Menschen bedanken. Durch die landwirtschaftlichen Kurse, das Gemüsesaatgut und die neue Quellfassung hat sich unser Leben schon sehr verbessert.“, eröffnet der 56-jährige Kabede das kleine Treffen im Tal von Albuko und nennt zugleich drei große Herausforderungen in der Region:
  1. Die Schule in unserem Dorf ist in einem desolaten Zustand. Die Kinder haben kaum Platz und die Gebäude drohen fast einzustürzen.
  2. Die Straße, die hierherführt, in der Regenzeit unpassierbar.
  3. Der Fluss zerstört regelmäßig unsere Felder.
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